vanessa hafenbrädl

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vanessa hafenbraedl

occardium – festival #2
Löwenturm am Mittleren Graben| Videomapping
Musik: Markus und Micha Acher

Oocardium ist die Alge, die maßgeblich für die Entstehung von Tuffstein verantwortlich ist, dem Baumaterial für die Weilheimer Stadtmauer. Ein noch bestehendes Fragment ist der Löwenturm am Mittleren Graben, der Vanessa Hafenbrädl an die verspielten Fantasiewelten des Dianatempels im Münchner Hofgarten oder der Magdalenenklause im Nymphenburger Schlosspark erinnert, für die ebenfalls Tuff verbaut wurde. Sie transformierte den Löwenturm zeitweise in ein ähnlich anmutendes Gebilde und verstärkte dessen mystische Anmutung durch Nixenwesen.

Dabei richtete sich ihr Interesse auf die Wandelbarkeit der Nixe. Eine ihrer weniger bekannten Spielarten sind die Necken, männliche Wasserwesen, die Frauen und Männer in die Tiefen von Flüssen und Seen locken, womit das Klischee der verführerischen, verdammnisorientierten Weiblichkeit widerlegt ist. Die Figuren wurden angestrahlt von Bildern unter anderem aus der Sammlung von Albertus Seba, der im 17. Jahrhundert Kuriositäten aus der Natur zusammentrug. Aus den verschiedenen überlagerten Elementen entstanden skurrile Mischwesen, Zwitter, die für die verschiedenen Erscheinungsformen der Verführung und des Untergangs stehen – als Sinnbild für die Angst und die Hoffnung der Menschen.

Die Videokünstlerin Vanessa Hafenbrädl testet seit 2012 mit ihren komplexen Videoinstallationen die Grenzen des technisch Möglichen aus. Sämtliche Bilder Ihrer Arbeiten entstehen durch Kameraarbeit. Sie verwendet keine reine Animation. Mit ihren großen Videoarbeiten im öffentlichen Raum erreicht sie ein vielschichtiges Publikum, dem sie durch maximale Ästhetik sanft die Sichtweisen erweitert. Aufgeführt werden ihre Videomappings weltweit, von Neuseeland bis Island. 2016 war sie mit ihrem Videomapping Erlinde Siegerin beim Wettbewerb Genius Loci in Weimar. Diese Arbeit adaptierte sie für das Lichtkunstfestival Weilheim 2018.

 

antipod/kuh – festival #2
Stadtmuseum | Videoinstallation
Musik: Gözel Radio

Im Stadtmuseum zeigte Vanessa Hafenbrädl ihre Arbeit »Antipod«, bayerische Landschaft und Kultur in Infrarot gefilmt, untermalt von türkischem Gesang. Antipode bedeutet wörtlich Gegenfüßler und symbolisiert hier die Rastlosigkeit und die Welt im Wandel. Die Videoinhalte stehen Kopf (ein umgedrehter Baum). Auch die Farben sind scheinbar »verdreht«. Nach längerer Betrachtung erscheinen die Inhalte jedoch nicht mehr »falsch«. Eine Akzeptanz für die »Andersartigkeit« stellt sich ein. Die Infrarotaufnahmen machen ein für das menschliche Auge unsichtbares Spektrum sichtbar. Unser Sehen und somit auch unser Bewusstsein werden erweitert. Die Installation reflektierte über den eigenen Standpunkt, über den Zufall und die Bereicherung durch Vielfalt.

Der zweite Teil der Arbeit zeigte Kühe auf Gut Romenthal in Dießen. Die Kühe wurden von einem Videobeamer angestrahlt und verwandelt. Die bayrische Kuh wird zum Zebra, zur Giraffe, zum afrikanischen Tier. Auf die weiße Kuh werden Kuhflecken projiziert – eine Parodie zur Rasse. Gemüse auf der Kuh regt zum Nachdenken über das eigene Konsumverhalten an.

Hafenbrädl hinterfragt weibliche Archetypen und bricht mit gängigen Rollenbildern. Ihre Arbeit löst sich von Kategorie, Herkunft, Geschlecht und Spezie. Die Kontroverse transportiert Vanessa Hafenbrädl mit Ästhetik.

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